Skifahren und Nachhaltigkeit

SPOILER: ein Paradoxon

Ski fahren ist nicht nachhaltig. Punkt.

Doch wieso eigentlich?

 

Es gibt sicher Unterschiede, die auch damit zusammenhängen wo man Ski fahren geht. Doch im Allgemeinen lassen sich einige Dinge feststellen.

 

Fürs Skifahren müssen Flächen frei gehalten werden um überhaupt Ski fahren zu können. Auf einer Alm ist dies einfacher als in Gletschergebieten oder steinigeren Skigebieten, doch selbst wenn keine Bäume für die eigentliche Skipiste dran glauben müssen, müssen sie am Schluss für den Lift, die Hütten oder sonst was weichen.

Außerdem gibt es Skigebiete in denen ganze Felsen oder Flüsse stören würden. Da wird dann gesprengt und umgeleitet, ohne Rücksicht auf die Natur.

 

Dies hat zur Folge, dass Lawinen, Erdrutsche usw. wahrscheinlicher werden. Das ist nicht nur für die Natur doof, sondern auch für die Lebewesen, die davon betroffen sind, allen voran der Mensch, um den es in unserem Mikrokosmos ja primär geht. 

 

Der Klimawandel führt außerdem dazu, dass die Pisten häufiger künstlich beschneit werden müssen und das ist eine Umweltsünde in vielen Facetten.

Für den Kunstschnee wird enorm viel Wasser benötigt, das frei verfügbar sein muss. Es werden hierfür extra Seen angelegt, die teilweise sogar beheizt werden. Viele Flüsse führen deswegen schon um bis zu 70% weniger Wasser. Zudem verbrauchen Schneekanonen Energie und diese nicht zu knapp.

Der Kunstschnee lässt den Boden außerdem weniger "atmen", da er dichter gepackt ist als natürlicher Schnee. Dies beeinflusst die Vegetation.

Außerdem sind Schneekanonen sehr laut und stören damit die Tiere der Umgebung.

 

Und da sind wir auch schon bei einem weiterem Problem: die Tiere.

Diese werden, vor allem abseits der Pisten, durch Schneewanderer gestört. In der kalten Jahreszeit fahren die Tiere ihren Stoffwechsel herunter und leben von ihren Energiereserven. Diese werden bei der Flucht vor den Eindringlingen verbraucht und so sterben viele Waldbewohner durch Erschöpfung.

Die somit eigentlich nachhaltige Skiwanderung, bei der die Skifahrer ohne Lifte den Berg heraufkommen, wird somit zur Nachhaltigkeitsfalle, wenn sie abseits der Pisten geschieht. Die Pisten sind natürlich auch ein Unruheherd für die Tiere, jedoch durch die regelmäßige menschliche Nutzung einschätzbar für diese.

 

Die Hauptprobleme des Wintersports sind aber nicht nur die Energieverbraucher Lift, Hotel oder Schneekanone, sondern die An - und Abreise der Touristen.

Der Großteil des Stroms in Österreich wird beispielsweise durch Wasserkraft erzeugt (75% - Quelle unten verlinkt), Tendenz steigend.

Die An- und Abreise hingegen erfolgt meist mit dem Auto. Nur 5% der Touristen reisen mit dem Zug an. Da das Zeitfenster des Wintersports und der Urlauber begrenzt ist, kommen sie meist in Scharen an und so gibt es Stau usw.

 

Lösungen

 

Die erste Stellschraube des nachhaltigeren Skiurlaubs ist also die An- und Abreise.

Es gibt viele Möglichkeiten dies mit dem Zug zu tun und diese werden momentan auch erweitert. Außerdem profitiert man seit 2020 auch von einer steuerlichen Entlastung auf Fernzüge.

 

Bei der Wahl des Urlaubsorts kann man auf nachhaltige Siegel achten. Vielerorts gibt es ausgewiesene Skigebiete und Hotels, die bereits in umweltfreundlichen Programmen integriert sind. Schaut hierzu mal bei Alpine-Pearls vorbei, den Link dazu gibt es unten (keine Kooperation oder so).

 

Für die Tierwelt ist es wichtig auf den Pisten zu bleiben und Skigebiete mit starker Beschneiung zu vermeiden. 

 

Mein Skiurlaub 2020: worauf habe ich geachtet?

 

Ich war Skifahren und hatte kein schlechtes Gewissen. Ja klar wusste ich, dass es nicht so geil für die Umwelt ist und ja ich habe mir das Skigebiet im Vorfeld nicht ausgesucht, sondern hatte Glück. Wieso? Weil wir auf Almen Ski gefahren sind. Da diese Flächen allgemein nicht stark bewachsen sind und die Schneedecke nicht enorm hoch sein muss, muss hier nicht so viel beschneit werden und im Vorfeld wird auch nicht sooo viel abgeholzt.

Doch das hätte auch anders ausgehen können! Ich hab mich einfach einer Gruppe angeschlossen und die hätten auch tief in den Alpen etwas auswählen können. Hier sind die Skigebiete oft brutaler geschaffen worden und das wäre nicht so nice gewesen.

 

Das nächste mal werde ich also darauf achten, dass es in ein nachhaltiges Skigebiet geht!

 

Worauf habe ich aber noch geachtet?

Auf meine Ausrüstung!

Ich habe mir nichts neu gekauft, sondern alles geliehen. Von den Socken bis zu den Skiern. Meine Ma hat mir ihre alten Skier samt Schuhen geschenkt, die Skihose und Skijacke teile ich mir jetzt mit meiner Schwester und die restlichen Klamotten habe ich von einer Freundin bekommen.

Ich habe somit 0,0 Dinge für den Skiurlaub (neu) gekauft. Easy!

 

Wir sind außerdem in einem voll besetzten Auto angereist und das aus Süddeutschland, wodurch wir auch nicht so eine weite Anreise hatten. Das Skigebiet ist ungefähr eine Stunde von München weg, wenn man gut durchkommt.

Im Skiort hatten wir eine Hütte und haben uns selbst versorgt. Wir haben hauptsächlich vegetarisch/vegan gekocht, was den Fußabdruck natürlich auch kleiner gemacht hat.

 

Was nicht so umweltfreundlich war, war sicher unsere Sauna, die wir täglich genutzt haben. Die lief dann schon mal fünf Stunden.

Klar waren wir zu zehnt, aber na ja, das wahr ehrlich gesagt nicht so nachhaltig.

 

Mit dem Schnee hatten wir zum Glück Glück... es hat oft geschneit und durch die 2000 Höhenmeter wurde wohl fast gar nicht künstlich beschneit.

Auf der unpräparierten Piste, die natürlich umweltfreundlicher ist als die präparierte, habe ich mich aber ordentlich hingelatzt, weswegen ich danach nur noch auf den präparierten gefahren bin... :D

 

Mein Fazit also: Ski fahren ist nicht nachhaltig, Ski fahren kann jedoch ok sein, wenn man auf verschiedene Dinge achtet.

 

Ich möchte nicht drauf verzichten und das ist auch in Ordnung.

Ich habe schon so Dinge gehört wie: "Du bist so nachhaltig, du darfst aber nicht Ski fahren".

Doch "Whataboutism" war noch nie die Lösung eines Problems und mir ist es wichtiger ehrlich und transparent zu sein, als für Euch ein perfektes, nachhaltiges Leben zu leben.

 

Eindrücke meines Urlaubs gibt es übrigens unter den Quellen.